Ivan Frank, ukrainische Literatur.

Iwan Jakowytsch Franko war ein bekannter ukrainischer Schriftsteller, Dichter, Dramatiker, Publizist, Verleger, Philosoph, Soziologe, Politikwissenschaftler, Historiker, Ökonom, öffentliche und politische Figur. Geboren am 27. August 1856, im Dorf Nahujewytschi, heute in der Lwiw (Lemberger) Region, Ukraine.

Franko hat eine große Bedeutung für die ukrainische Kultur und die ganze Welt. Er war ein wahrer Titan, der im Namen seines damals staatenlosen Volkes lebte und arbeitete. Er glaubte aufrichtig an die Unvermeidbarkeit des nationalen Wiederauflebens und daran, dass Ukrainer die Herren „ihres eigenen Hauses“ auf „ihrem eigenen Territorium“ und „im Kreise der freien Völker“ leben werden.

Zu lyrischen Werken von Ivan Franko gehören unter anderem persönliche Gedichte (Sammlungen „Von Höhen und Niederungen“ (1887), „Verwelkte Blätter“ (1896), „Mein Smaragd“ (1898), „Von den Trauertagen“ (1900)) und sozialpolitische Arbeiten („Minerva“ (1878), „Ewiger Revolutionär“ (1880), „Keine Zeit, keine Zeit …“ (1880)).  Doch am stärksten kommt sein poetisches Talent in großen Gedichten, wie „Herrenwitze“ (1887), „Der Tod von Kain“ (1889), „Iwan Wyschenskyj“ (1900) zum Vorschein. Das Gedicht „Moses“ (1905), in dem mit Hilfe der biblischen Handlung der Aufstieg des ukrainischen Volkes im Kampf um die Unabhängigkeit allegorisch dargestellt wird, wurde zum  Höhepunkt Frankos poetischer Kreativität.

Im Jahr 1915 wurde der Prozess der Nominierung von Franko für den Literaturnobelpreis angestoßen. Kurz darauf starb Franko jedoch. Er starb nur ein Jahr vor der ukrainischen Revolution von 1917-1921. Während dieser Revolution am 22. Januar 1918 die Unabhängigkeit der Ukrainischen Volksrepublik ausgerufen wurde.

Ivan Frank, ukrainische Literatur.

15 Fakten über Ivan Franko, die wissenswert sind

  1. Iwan Franko wurde fast 60 Jahre alt, von denen er mehr als 40 Jahre als Schöpfer aktiv war. Während dieser 40 Jahre hat er 6000 Werke geschrieben. Alle zwei Tage wurde ein neuer Vers, eine Geschichte, ein Roman oder eine Monographie von dem Schriftsteller veröffentlicht. Während seiner aktiven kreativen Schaffenszeit kamen über 220 verschiedene Buchausgaben heraus. Das bedeutet, dass Franko jedes Jahr 5-6 Bücher veröffentlichte.
  2. Franko wurde der erste professionelle ukrainische Schriftsteller, der von seiner literarischen Arbeit leben konnte. Im Gegensatz zu seinem Ruf als armer Schriftsteller verdiente Franko tatsächlich recht gut. In Lemberg besaß er eine Villa, die sich jetzt in einem Eliteviertel der Stadt in der Nähe von Stryj Park befindet. Nicht alle ukrainischen Schriftsteller können sich auch heute ein solches Haus leisten, selbst auf Kredit, und Franko musste  – während er einen Bankkredit zahlte – auch noch eine Frau und vier Kinder unterhalten. Durch literarische und journalistische Aktivitäten war Franko in der Lage, sich selbst und seine große Familie zu ernähern.
  3. Schon als er im Gymnasium lernte, wurde Frankos phänomenales Gedächtnis berühmt – er konnte die Wörter des Lehrers fast buchstäblich nacherzählen. In der fünften Klasse las er während des Unterrichts Shakespeare in deutscher Übersetzung, wenn es ihm zu langweilg war.
  4. Als Franko 9 Jahre alt war, starb sein Vater, und mit 16 seine Mutter. Deshalb musste Franko selbst eine Ausbildung finanzieren. Während der Gymnasiumzeit verdiente er seinen Lebensunterhalt durch Arbeit als Nachhilfelehrer. Von dem Geld, das er verdient hatte, richtete Franko eine riesige Bibliothek mit mehr als 500 Bücherbänden ein.
  5. Unter dem Einfluss von Mychajlo Drahomanow wechselte Franko zu radikalen ideologischen Positionen. Für sozialpolitische Aktivitäten, die als sozialistische Propaganda qualifiziert wurden, wurde er im Jahre 1877, 1880, 1889 und 1892 von den österreichischen Behörden inhaftiert. Aufgrund der ersten Festnahme musste er sein Studium an der Universität Lemberg unterbrechen, nam es jedoch 1878-1879 nach insgesamt sieben Semestern wieder auf. Sein Hochschulstudium hat Franko in 1890-91 an der Universität Czernowitz abgeschlossen.
  6. Iwan Franko war Dichter, Prosaschriftsteller, Folklorist, Übersetzer, Publizist, Philosoph, Ökonom, Politiker und öffentliche Persönlichkeit. Zeitgenossen nannten ihn „Ein-Mann-Akademie“.
    Schriftstelleraktivitäten kombinierte Franko mit wissenschaftlichen Studien. Ukrainische und ausländische Zeitschriften publizierten Frankos zahlreiche Artikel, Rezensionen und Essays über Folklore, Ethnologie, Geschichte, Philosophie, Literaturkritik, Soziologie und Wirtschaft. 1893 verteidigte er seine Doktorarbeit in Philosophie in Wien.
  7. In dem literarischen Erbe von Ivan Franko nimmt Übersetzung einen bedeutenden Platz. Seine ersten Übersetzungen – der erste Teil von Homers Odyssee, Goethes Prometheushymne, Elektros von Sophokles – sind jeweils mit Frühjahr 1873 und 1874 und Herbst 1874 datiert. 1879 erschien seine erste Sammlung von Übersetzungen – „Dumas und Lieder der berühmtesten europäischen Dichter“. Franko machte bis in die letzte Tage seines Lebens Übersetzungen. Seine letzte Arbeit in diesem Bereich ist die Übersetzung einer alten Legende aus der Geschichte Roms, mit 13. März 1916 datiert. Literarische Werke aus alten babylonischen, altindischen, altarabischen, altgriechischen und östlichen Sprachen waren von Franko auch übersetzt. Zu seiner Arbeit gehören auch deutsche Übersetzungen von ukrainischen Volksliedern. Im Allgemeinen kannte Franko 14 Fremdsprachen: Polnisch, Deutsch, Griechisch, Lateinisch, Altkirchenslawisch, Tschechisch, Russisch, Französisch, Englisch, Bulgarisch, Ungarisch, Italienisch und Jiddisch.
  8. Iwan Franko sang gut und war ein großer Kenner der Folklore. Laut den Zeitgenossen war seine Stimme nicht stark, aber ausdrucksvoll. Die Texte von Frankos Lieder wurden von Mychajlo Pawlyk, und die Melodien von Komponist Mykola Lysenko aufgenommen. Einige seiner Lieder waren von Dichterin Lesya Ukrainka adaptiert, als Franko und sie im Karpatendorf Burkut Urlaub  machten. Iwan Franko hat selbst auch 400 Volkslieder und 1800 Kolomyjkas aufgeschrieben.
  9. Iwan Franko war nicht nur ein herausragender Schriftsteller, sondern auch ein Politiker und Mitbegründer der ersten ukrainischen politischen Partei – der ruthenisch-ukrainischen radikalen Partei – und sein erster Leiter und Autor des Programms. Er rief die Galizier dazu auf, sich Ukrainer zu nennen, nicht Ruthenen. „Wir müssen lernen, sich als Ukrainer zu sehen – nicht als Galizier, nicht als Bukowiner, sondern als Ukrainer ohne offizielle Grenzen …“, schrieb er 1905 in einem Brief an die Jugendlichen.
    1895, 1897 und 1898 war Iwan Franko Vertreter der radikalen Partei in den Reichsrats- und Regionalwahlen, aber wegen der Manipulation der Wahlverwaltung hatte er keinen Erfolg. Franko entwickelte das Programm der radikalen Partei und setzte sich mit den politischen Prozessen auseinander, die in Galizien stattfanden. Viele seiner Ideen sind immer noch aktuell. Frankos radikale Partei hatte ihre eigene Vision und ein Wirkungsmechanismus, den keine andere ukrainische Partei besaß. Frankos Genialität bestand darin, dass er sich mit der damaligen österreichisch-ungarischen Verfassung sehr gut auskannte, was ihm verhalf, bestimmte Fragen und Probleme Ukraine betreffend im Parlament anzusprechen. Insbesondere war es die Frage der Unabhangigkeit der Ukraine. Die Partei hatte ein Mindestprogramm und ein Höchstprogramm. Das Minimum war die Schaffung der Autonomie für die Region Galizien. Das Maximum für die Partei war die Unabhängigkeit der ganzen Ukraine. Später war Franko der Mitbegründung der Nationaldemokratischen Partei (1899). Darin war er bis 1904 aktiv, woraufhin er aktives politisches Leben verließ.
  10. Franko war einer der ersten, der den Zusammenbruch der marxistischen Ideologie voraussagte und den sozialistischen Staat als Gefängnis bezeichnete: „Die Menschen würden in so einer Abhängigkeit aufwachsen und leben, unter so einer Staatsüberwachung, die es in den absolutistischen Polizeistaaten nicht mehr gibt. Der Volksstaat würde ein riesiges Volksgefängnis werden“.
  11. Das Sowjetregime nannte Franko einen Atheisten. In Wirklichkeit war er ein tiefgläubiger Mensch. Er wuchs in einer frommen Familie auf, erforschte die heiligen Schriften, war mit galizischen Priestern befreundet und hatte freundschaftliche Beziehungen zum Metropoliten Andrej Scheptytsky.
  12. Seine Übersetzung der biblischen „Genesis“ ist immer noch eine der besten Übersetzungen der Bibel in ukrainischer Sprache.
  13. Franko wäre zu seiner Hochzeit mit Olha Khoruzhynska beihnahe zu spät gekommen. Im Büro des Brautvaters fand er ein altes Buch und hat sich Zeit genommen, daraus ein seltenes Gedicht abzuschreiben.
  14. Die letzten sieben Jahre schrieb Franko mit seiner linken Hand, weil die Rechte gelähmt war. Sein Sohn Andrij half ihm, die Schriften zu systematisieren und zu organisieren. Zwei Frankos Söhne, Peter und Taras, schlossen sich während des Ersten Weltkrieges der Legion der ukrainischen Sitsch-Schützen an.
  15. Iwan Franko starb am 28. Mai 1916 in Abwesenheit seiner Familie – seine Söhne waren in der Armee, seine Tochter in Kiew und die Ehefrau im Krankenhaus.

Quellen:
www.memory.gov.ua/
http://quester.tobm.org.ua/franko/info-franko.html
uk.wikipedia.org/wiki/
vikna.if.ua
Fotos: lizenzfrei

Autor: Halyna Kulska
Übersetzung: Symon Jemčenko